In der Kultur-AG der Gemeinde Havixbeck treffen sich alle drei Monate engagierte Kulturschaffende sowie kulturinteressierte Bürger*innen, um Ideen auszutauschen und gemeinsam umzusetzen.
Im Juni 2024 organisierte eine Arbeitsgruppe der Kultur AG erstmalig den „Kulturtag Havixbeck“. An neun unterschiedlichen Orten konnten die Bürgerinnen und Bürger Kunst, Musik, Tanz, Theater, Bildhauerei und Kulinarik erleben. Alle Künstler*innen und Akteure beteiligten sich ehrenamtlich an diesem Projekt. Dieses Format wird nun im Abstand von zwei Jahren in der Gemeinde Havixbeck stattfinden.
Durch die Zusammenarbeit mit den Kulturämtern des Kreises Coesfeld beschäftigte sich die Kultur-AG mit dem Thema „Kultur und Demokratie“. Daraus entstanden neue Veranstaltungsformate, die in einer gemeinsamen Broschüre des Kreises aufgeführt und beworben wurden.
Seit Jahren setzen sich die Mitglieder der Kultur-AG dafür ein, Annette von Droste-Hülshoff in Havixbeck mit unterschiedlichsten Aktionen und Veranstaltungen sichtbarer zu machen. So entstanden die Droste Stelen in Hohenholte und Havixbeck mit dem neuen Droste-Logo, welches wiederum aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist. Darüber hinaus gibt es Überlegungen und ein erstes Konzept zu einem „Droste-Platz“ im Dorf und einzelnen Mitmach-Stationen zu Annette von Droste-Hülshoff.
Die Vernetzung mit Kulturschaffenden in Havixbeck, mit dem Baumberger Sandstein Museum, der Burg Hülshoff und der Droste Gesellschaft sind dabei eine Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen.
In den Sitzungen der Kultur-AG entstand die Idee der „Droste-Salons“ in Zusammenarbeit mit dem Center for Literature. Ziel dieses Formats ist es, die Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff an ganz unterschiedlichen Orten zu hören und künstlerisch zu verarbeiten. Die Veranstaltung „Droste in Bewegung“ war dabei Teil des Droste-Festivals ist. Gefördert wird das Format „Droste Salons“ vom LWL.
Die Droste Salons sind ein Teil des Konzepts „Die Droste für Havixbeck“.
„Droste in Bewegung“ - Gebärdensprachpoesie-Performance, Lesung, Gespräch
Datum: 20. Juni 2025
Ort: Foyer Anne-Frank-Gesamtschule, Havixbeck
Akteur*innen: Julia Kulda Hroch, Carola von Seckendorff
Sprache: Deutsche Gebärdensprache, Deutsche Lautsprache
Viele Texte werden übersetzt, damit mehr Menschen sie lesen und verstehen können. Das Übersetzen von Lyrik in Gebärdensprache ist besonders herausfordernd. Gebärdensprach-Poetinnen Julia Kulda Hroch und Laura-Levita Valyte haben sich dieser Aufgabe angenommen. Sie haben vier Gedichte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in Deutsche Gebärdensprache übersetzt: »Der Knabe im Moor«, »Die Mergelgrube«, »Am Thurme« und »Das Spiegelbild«
Im Rahmen des Droste Festivals 2025 hat Julia Kulda Hroch zwei der Übersetzungen performt und die Videos der anderen Übersetzungen präsentiert. Schauspielerin Carola von Seckendorf hat die Gedichte im Original gelesen. Im Anschluss daran gab es ein Gespräch mit Julia Kulda Hroch, die von den Herausforderungen des Übersetzens erzählt.
Lesung Rosenstengel mit Angela Steidele
Tag + Datum: Mittwoch, 25. Juni 2025
Ort: Schul- und Gemeindebibliothek Havixbeck
Akteur*innen: Angela Steidele, moderiert von Dr. Oliver Pawlak
Angela Steidele las aus ihrem Roman „Rosenstengel“. Die Autorin erzählt im Text von zwei Persönlichkeiten: Ludwig II. von Bayern und Catharina Margaretha Linck. Beide haben weder zeitlich noch geographisch etwas miteinander zu tun. Und doch schafft die Autorin Verbindungen. Sie beschreibt, wie beide Persönlichkeiten in eine Welt hineingeboren wurden, in die sie nicht passen. Ihr Ausweg ist, eine eigene Realität zu erschaffen.
Als der bayerische Märchenkönig Ludwig II. durch den Arzt Franz Carl Müller zufällig von dem delikaten Fall des Anastasius Rosenstengel erfährt, lässt ihn dessen eigentümliches Schicksal nicht mehr los. Er drängt den Mediziner, ihn in seine Recherchen einzuweihen, die Unglaubliches zutage fördern: Rosenstengel zog als Prophet umher, kämpfte als Musketier im Spanischen Erbfolgekrieg und heiratete mit kirchlichem Segen, um schließlich der Maskerade überführt zu werden – einer Maskerade, die alle Grenzen überschreitet. Denn Rosenstengel war in Wahrheit ein Weibsbild mit Namen Catharina Linck. Nachdem man auch noch eine »lederne Wurst« in ihrer Hose entdeckte, mit der sie die Ehe vollzogen und »unterschiedliche Wittwen caressiret« hatte, führte man sie 1721 dem Henker vor.
Jedes Detail, das sich der faszinierte Monarch während nächtlicher Schlittenfahrten, in der Venusgrotte von Schloss Linderhof oder im tropischen Wintergarten der Münchner Residenz berichten lässt, bringt den jungen Arzt und den einsamen König einander näher, bald geraten beide in einen Strudel tiefer Verwirrung: Wo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftlicher Leidenschaft und verbotenem Begehren, Täuschung und Wahrheit, Perversion und Normalität, Mann und Weib, König und Untertan? Die emotionale Verunsicherung steigert sich im Angesicht höfischer Intrigen zur ernsthaften Gefahr, und Müller steht vor der Entscheidung, den König entmündigen zu lassen – oder ihn vor den Verschwörern zu retten. Mal zärtlich, mal deftig entwirft Angela Steidele einen atemberaubenden historischen Briefroman über Trug, Wahn, Leidenschaft und Irrsinn. Und über die Frage, wie viel Liebe das Leben und wie viele Leben die Liebe fassen kann.
Gefördert wurden die Veranstaltungen von der LWL-Kulturabteilung. Es handelt sich um Veranstaltungen der Kultur AG Havixbeck, in Kooperation mit der Gemeinde Havixbeck und der Burg Hülshoff - Center for Literature.
Blick in die Zukunft
Aus der Zusammenarbeit mit der Kultur-AG, dem Baumberger Sandstein Museum und dem CfL entstehen aktuell noch weitere Projekte, bei denen es sich lohnt, darauf hinzuweisen.
Das Künstler*innen Syndikat „Gefährliche Liebschaften“ ist eine Gruppe, die sich mit dem ländlichen Raum beschäftigt und alte Geschichten und Traditionen einer Region kreativ verarbeitet. Die Künstler*innen entwickeln gemeinsam mit Bürger*innen partizipative Kunstformate und suchen nach regionalen Besonderheiten und besonderen Orten. Aus diesen Kontakten entsteht gerade ein Projekt in Zusammenarbeit mit unserer Theatergruppe „Das Törchen“, die gemeinsam mit den Künstler*innen ein Hörspiel produzieren haben, das die Teilnehmer*innen dann in einem der Steinbrüche in den Baumbergen hören und selbst teilhaben werden. Für inhaltliche Anregungen sorgte hier unser engagierter Ortschronist Friedhelm Brockhausen und unsere Museumsleiterin Angela Heinemann vom Baumberger Sandstein Museum. Mit dem Planwagen werden die Besucher*innen zum Steinbruch Fark gefahren und erleben dort Geschichten zum sogenannten „Spökenkieker“.
Die sogenannten „Spökenkieker“ sind laut alter Überlieferungen hier im Münsterland Menschen, die in die Zukunft blicken können. Verbunden mit unserem Sandstein können wir hier ganz sicher eine spannende und mystische Performance erwarten, mitten in der Natur und umgeben von Geschichten und Legenden.
Seit nunmehr 1000 Jahren baut man in dieser Region den Sandstein ab, der nicht nur den Dom in Münster erstrahlen lässt, sondern sogar in Chicago, den Niederlanden oder Schweden verbaut wurde.
Gab es einst 25 solcher Steinbrüche ist dies der einzige, der derzeit für Besucher*innen zugänglich ist. Geplant sind die Veranstaltungen am 12. und am 14.9.25
Mehr zu Annette von Droste-Hülshoff und Havixbeck
In Havixbeck steht das Geburtsschloss der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff* – die Wasserburg Droste zu Hülshoff (Schonebeck 6). Obwohl dieser Ort schon seit dem 1. Januar 1975 durch die Gemeindereform Teil des Gemeindegebietes ist, ist bislang das Leben und Werk von ihr in Havixbeck kaum präsent. Gleichzeitig war ihr Leben und Werk aufgrund verwandtschaftlicher Verhältnisse und freundschaftlicher Beziehungen mit Havixbeck und dem Stiftsdorf Hohenholte vielfältig verknüpft. Die Droste weilte oft auf Haus Havixbeck (Josef-Heydt-Straße 2), bei der Familie von Twickel und auf Haus Stapel (Gennerich 18 B), bei der Familie ihres Onkels, welches sich heute im Besitz der Familie Raitz von Frentz befindet. Auch das Damenstift Hohenholte besuchte sie oft. Aus ihren Briefen wissen wir Details aus dem Familienleben und haben auch Beschreibungen des Ortskerns von Havixbeck überliefert bekommen.
Mit Gründung des „Center for Literature (CfL)“ mit Sitz auf Burg Hülshoff ist das Leben und Werk der Droste in der Region und weit darüber hinaus deutlicher stärker in den Mittelpunkt gerückt worden. Bislang ist es nur wenig gelungen, diese Aufwertung inhaltlich und touristisch mit der Gemeinde Havixbeck zu verbinden. Um das zu verändern, wurde 2022 eine Arbeitsgruppe Kultur gegründet, die ein Konzept zur kulturellen Aufwertung und touristischen Nutzung des Lebens und Werks der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, in und für Havixbeck erarbeitet hat.
Themenschwerpunkte des Konzepts
Die Arbeitsgruppe Kultur hat einen Themenworkshop veranstaltet und anschließend in Arbeitsgruppen die Vorschläge in Themenschwerpunkten bearbeitet. Die vier Schwerpunkte sind:
1. Droste Logo – Der Bezug zur Droste soll so sichtbar werden.
2. Droste Plätze – Ein Zentraler Ort/Platz soll der Droste gewidmet und Orte zur Begegnung mit dem Leben und Werk geschaffen werden.
3. Droste Salons – Veranstaltungen zu Leben und Werk der Droste sollen
ganzjährig an verschiedenen Orten in Havixbeck und Hohenholte stattfinden.
4. Droste Führungen – Führungen zu Leben und Werk der Droste; aber auch
theatral, abenteuerlich und erfunden